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Startseite » Gänswein: „Die Zeit der Willkür ist vorbei“
Welt

Gänswein: „Die Zeit der Willkür ist vorbei“

MitarbeiterBy MitarbeiterMai 12, 2025
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Gänswein: „Die Zeit der Willkür ist vorbei“

Erzbischof im „Corriere“-Interview: „Wir können nun auf ein Papsttum zählen, das Stabilität garantiert“ 

Der langjährige Privatsekretär von Papst Benedikt XVI., Erzbischof Georg Gänswein, begrüßt die Wahl von Papst Leo XIV. „Jetzt beginnt eine neue Phase. Ich spüre eine gewisse allgemeine Erleichterung. Die Zeit der Willkür ist vorbei. Wir können nun mit einem Papsttum rechnen, das Stabilität garantiert und sich auf die bestehenden Strukturen stützt, ohne sie umzustoßen und zu erschüttern“, so Gänswein im Interview mit der Mailänder Tageszeitung „Corriere della Sera“.

„Papst Prevost gibt mir große Hoffnung. Ich bin überzeugt, dass er in der Kirche und in der Welt Positives bewirken wird. Er ist ein Friedensstifter“, erklärte der 68-jährige Gänswein. „Schon die Wahl des Namens, in der Tradition des heiligen Leo des Großen und Leos III., der Karl den Großen im Jahr 800 krönte, ist vielsagend. Name und Kleidung machen deutlich, dass es keine Kontinuität (zum Pontifikat von Franziskus, Anm.) geben wird, sondern eine völlig neue Phase“, betonte Gänswein.

Leo XIV. wird „sowohl Seelsorger als auch regierender Papst sein“

„Seine Erfahrung, seine Fähigkeit, viele Sprachen zu sprechen, die Tatsache, dass er Missionar war, aber auch zwei Jahre lang in der Kurie gearbeitet hat, machen aus Papst Leo XIV. sowohl einen Seelsorger als auch einen regierenden Papst. Er kommt nicht nur aus einem Bereich, sondern aus vielen Bereichen gleichzeitig. Und das wird es ihm ermöglichen, alle anzusprechen“, so der Erzbischof.

Laut Gänswein wird Leo XIV. wie sein Vorgänger Brücken bauen. „Aber in einem anderen Kontext und mit einem anderen Stil als Franziskus. In der Kirche gibt es heute große Spannungen, und draußen gibt es beängstigende Konflikte. Ich glaube, dass wir jetzt lehrmäßige Klarheit brauchen. Die Verwirrung der letzten Jahre muss überwunden werden. Und eines der Werkzeuge dafür sind die Strukturen, die es bereits gibt“, erklärte der aus Deutschland stammende Gänswein. Die Institutionen der Kirche seien „keine Bedrohung für den Papst“. „Sie sind dazu da, den Päpsten zu helfen. Man kann nicht allein regieren und den eigenen Institutionen misstrauen“, betonte Gänswein.

„Leos Wahl war eine große und schöne Überraschung“

Der ehemalige Präfekt des Päpstlichen Hauses von Benedikt XVI. und jetzige Nuntius in den baltischen Ländern hatte Robert Francis Prevost, so der bürgerliche Name des neuen Papstes, bereits 2007 getroffen. „Ich traf ihn mit Papst Benedikt, als Prevost Generaloberer der Augustiner war, in den Vatikanischen Gärten. Im April 2007 besuchte er die Kathedrale von Pavia, wo sich das Grab des heiligen Augustinus befindet. Dann wurde er Bischof in Peru und ich habe ihn nie wieder gesehen. Aber seine Wahl war eine große und schöne Überraschung für mich. Als ich ihn auf dem Balkon des Petersdoms sah, sagte ich zu mir: Optisch und akustisch weckt dieser Papst Hoffnung, Hoffnung, Hoffnung…“, sagte Gänsein.

Der enge Vertraute des früheren Papstes Benedikt XVI. war Ende Juni 2024 zum Apostolischen Nuntius von Estland, Lettland und Litauen ernannt worden. Sein Verhältnis zu Papst Franziskus galt als angespannt, spätestens seitdem er kurz nach Benedikts Tod ein Buch über den verstorbenen Pontifex mit dem Titel „Nichts als die Wahrheit“ veröffentlichte. Gänswein sah sich seit Ende 2022 in einem „Exil“, als Franziskus ihn lange im Unklaren über seine weiteren Aufgaben ließ. Auch hinter kritisch klingenden Äußerungen des emeritierten deutschen Papstes am Kurs seines Nachfolgers hatten Beobachter Gänswein vermutet.

„In diesen Jahren habe ich gelitten, das ist wahr, aber ich habe das mit Franziskus geklärt, noch bevor ich zum Nuntius ernannt wurde. Und ich danke ihm, oder denen, die hinter ihm stehen, die beschlossen haben, mich hierher in den baltischen Ländern zu schicken, weil mir das ermöglicht hat, meinen Dienst für die Kirche wieder aufzunehmen“, so Gänswein.

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