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Startseite » „Fin de Partie“ liefert die Heiterkeit des Absurden an der Staatsoper
Berühmtheit

„Fin de Partie“ liefert die Heiterkeit des Absurden an der Staatsoper

MitarbeiterBy MitarbeiterOktober 18, 2024
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„Fin de Partie“ liefert die Heiterkeit des Absurden an der Staatsoper

Herbert Fritsch führt György Kurtágs Beckett-Adaption wieder zurück auf den Humor der Vorlage – Langer Applaus für die einzige Oper des 98-jährigen Komponisten 

Wenn Herbert Fritsch ein Werk wie György Kurtágs „Fin de Partie“, die musikalische Adaption von Samuel Becketts „Endspiel“ inszeniert, dann liegt die Betonung auf dem Wortbestandteil „Spiel“. Am Mittwochabend entfaltete sich auf der Bühne der Wiener Staatsoper eine Clownerie in einem expressionistischen Raum mit harten Schlagschatten. Mit den Mitteln der Pantomime und des Grimassierens rückt Fritsch die ernst konzipierte Oper wieder näher an ihre Vorlage: Das Absurde Theater.

  

Mit der gestrigen Premiere ist „Fin de Partie“ nach sechs Jahren nun auch im deutschen Kulturraum angekommen, nachdem das lange erwartete Werk unter Alexander Pereira an der Mailänder Scala uraufgeführt worden war. Dieser hatte als damaliger Intendant das Werk noch für Zürich beauftragt, 2013 dann für die Salzburger Festspiele vorgesehen, bevor es 2018 erstmals erklang. 92 Jahre alt hatte Kurtág werden müssen, bis er seine erste Oper auf die Bühne brachte.

Auf den Humor des Iren Beckett verzichtete der ungarische Tonsetzer dabei weitgehend. Die Sprechtheatervorlage um den im Rollstuhl sitzenden Ham, seinen Diener Clov und die beiden beinlos in Mülltonnen lebenden Eltern Hams, ist geprägt von der Heiterkeit der Groteske. Auf dieses Mittel setzt Kurtág indes weniger. Fritsch hingegen schon, der am Ende beim langen Schlussapplaus selbst aus der Mülltonne grüßt. Grelle Farben und Frisuren, zirzensische Körperaktionen und bewusstes Outrieren bringen den Humor auf die Bühne zurück.

Dabei hat Kurtág mit seiner „Fin de Partie“ eine zwar werktreue, aber dennoch eigenständige Interpretation des Samuel-Beckett-Stücks vorgelegt, die er selbst – auch mit seinen jetzt 98 Jahren – noch nicht als Endfassung begreift. Das oberste Primat für ihn hat Becketts Text, der im Originallaut das Libretto bildet. Die gesamte Musik entwickelt sich aus dem Sprechduktus, ordnet sich diesem zugleich unter und hält stets die Monstranz der Textverständlichkeit in die Höhe.

Auch wenn Simone Young am Pult ein verhältnismäßig hohes Tempo geht, was dem Stück durchaus guttut, lässt der Komponist sich respektive seinen Charakteren Zeit. Alle Figuren haben – anders als in der Vorlage von Beckett – Raum sich zu entwickeln, ihren Worten nachzuspüren. Kurtág deutet mit seiner Musik „Endspiel“ psychologischer als Beckett, macht die symbolhaften Figuren dadurch eher zu Charakteren.

Deren Stimmen werden in der Regel vom Orchester gedoppelt, getragen, beinahe nie konterkariert. Jeder Klang ist narrativ motiviert. Wenn Nell und Nagg für einen kurzen Moment in nostalgischen Erinnerungen schwelgen, kehrt sich die Musik kurz ins Lyrische. Wenn Hamm wütet, kommen die Blechbläser zum Einsatz. Aber dies sind rare Momente des Durchschnaufens für den Zuhörer. Dominiert wird der Abend von der charakteristischen Tonsprache des Meisters des Abphrasierens. Der große Kondensator Kurtág reiht kleine Fragmente, Miniaturen, aneinander. Den großen Bogen, gar die Melodielinie sucht man vergebens.

Dass der Abend in Wien gelingt, das liegt neben der Leichtigkeit des Fritsch’schen Ansatzes nicht zuletzt an der Leistung des Bühnenquartetts. Bassbariton Philippe Sly singt die dominante Partie des Hamm verhältnismäßig leichtfüßig, während Georg Nigl als Diener Clov als einzig bewegliche der Figuren im clownesken Dauereinsatz sein darf. Die legendäre Altistin Hilary Summers singt die Nell inklusive einiger erstaunlicher Höhenausflüge, worin ihr Tenor Charles Workman als Nagg immer wieder souverän folgt. Und im Grimassieren stehen sich die beiden in nichts nach. Aber jetzt ist Schluss mit lustig.

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