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Startseite » Assad soll angeblich bei seiner Familie in Moskau sein
Welt

Assad soll angeblich bei seiner Familie in Moskau sein

MitarbeiterBy MitarbeiterDezember 8, 2024
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Assad soll angeblich bei seiner Familie in Moskau sein

Der gestürzte syrische Machthaber Bashar al-Assad ist nach Angaben russischer Medien in Moskau.

Der entmachtete syrische Präsident Bashar al-Assad und seine Familie sind nach einem Bericht der russischen Staatsagentur Tass in Moskau eingetroffen. „Russland hat ihnen aus humanitären Gründen Asyl gewährt“, zitierte die Agentur einen Vertreter des Kreml. Am Sonntagfrüh hatten die syrischen Rebellen im Fernsehen erklärt, dass sie Damaskus befreit und das Regime gestürzt hätten. 

Der Anführer der islamistischen Miliz Hayat Tahrir al-Sham (HTS), Abu Mohammed al-Golani, traf in Damaskus ein. Al-Golani habe sich bei seiner Ankunft in der Hauptstadt am Sonntag „niedergekniet und den Boden geküsst“, erklärte die HTS im Onlinedienst Telegram unter Verwendung seines bürgerlichen Namens Ahmed al-Sharaa. Dazu veröffentlichte sie Bilder, auf denen al-Golani beim Niederknien auf einer Rasenfläche zu sehen war.

Al-Golani kündigte zuvor in einem im Fernsehen verlesenen Statement an, dass die Gruppe fest entschlossen sei, den 2011 eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Man könne nicht mehr umkehren. „Die Zukunft gehört uns.“ Im Jahr 2011 kam es in Syrien zu einem Aufstand gegen die jahrzehntelange Herrschaft der Familie Assad, der niedergeschlagen wurde und in einen Bürgerkrieg mündete.

Bei der vor eineinhalb Wochen begonnenen Islamisten-Offensive in Syrien wurden nach Angaben von Aktivisten mehr als 900 Menschen getötet. Seit dem Beginn der Kämpfe am 27. November seien „910 Menschen getötet worden“, erklärte am Sonntag die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Getöteten seien 138 Zivilisten. Die Angaben der Beobachtungsstelle können von unabhängiger Seite nicht überprüft werden, die in London ansässige Organisation stützt sich aber auf ein weites Netzwerk von Quellen in Syrien. Ihren Angaben zufolge starben seit Beginn der Offensive 392 islamistische Kämpfer sowie 380 syrische Soldaten und Verbündete.

Tausende Menschen skandieren: „Freiheit“

Die Rebellen waren nach eigenen Angaben in Damaskus einmarschiert, ohne dass es Anzeichen für einen Einsatz der Armee gegeben habe. Tausende Menschen zu Fuß und in Autos versammelten sich auf einem zentralen Platz in Damaskus und skandierten „Freiheit“, wie Zeugen berichteten. Statuen von Assads Vater und Bruder wurden in den von den Rebellen eingenommenen Städten umgestürzt, Plakate mit Assads Konterfei wurden abgerissen und die Menschen zertrampelten sie, die Bilder wurden verbrannt oder von Kugeln durchlöchert.

Aufständische drangen in Damaskus in den Präsidentenpalast ein. Augenzeugen berichteten der Deutschen Presse-Agentur, die bewaffneten Kämpfer hätten das Palastgelände betreten und „Gott ist groß“ gerufen. In Sozialen Medien war auf einem Video zu sehen, wie einige bewaffnete Männer an einem Einfahrtstor in die Luft schießen, an dem mutmaßlich das Palastgelände beginnt. Der Nachrichtensender Al-Arabiya zeigte Aufnahmen der Rebellen, die Palasträume und Gärten erkunden und Fotos machen.

Premier für freie Wahlen

Allerdings erklärte die syrische Armee, dass sie weiter militärisch gegen „Terroristen-Gruppen“ in den Gebieten um die Städte Homs, Hama und Daraa vorgehe. Das israelische Militär teilte mit, es habe Streitkräfte in der von den Vereinten Nationen überwachten Pufferzone zu Syrien in Stellung gebracht, werde aber nicht in die Ereignisse in Syrien eingreifen.

Bashar al-Assad hatte während seiner Herrschaft jegliche abweichende Meinung unterdrückt und Tausende inhaftieren lassen. „Wir feiern mit dem syrischen Volk die Nachricht von der Befreiung unserer Gefangenen und der Befreiung von ihren Ketten und verkünden das Ende der Ära der Ungerechtigkeit im Sednaya-Gefängnis“, erklärten die Rebellen und bezogen sich dabei auf ein großes Militärgefängnis am Stadtrand von Damaskus.

Heikle Machttransition

Der syrische Ministerpräsident Mohammad al-Jalali sagte, er sei bereit dazu, die Kontinuität der Regierung zu unterstützen und mit jeder vom syrischen Volk gewählten Führung zusammenzuarbeiten. In einem Interview mit dem Sender Al-Arabiya plädierte er für freie Wahlen, damit die Menschen über die Führung des Landes entscheiden könnten.

Offenbar gibt es eine Vereinbarung zwischen Jalali und den Rebellen zwecks geordnetem Übergang. Die staatlichen Institutionen würden bis zu einer Übergabe von Jalali beaufsichtigt, erklärte Rebellenführer Golani. In der schriftlichen Erklärung, die er mit seinem bürgerlichen Namen – Ahmed al-Sharaa – unterzeichnete, ordnete er an, dass sich militärische Kräfte öffentlichen Einrichtungen nicht nähern dürften und Schüsse in die Luft verboten seien.

Wendepunkt in der Nahost-Region

Einige Stunden vor dem Einmarsch in Damaskus hatten die Rebellen erklärt, dass sie die Stadt Homs unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Tausende strömten daraufhin auf die Straßen, tanzten und skandierten „Assad ist weg, Homs ist frei“ und „Lang lebe Syrien und nieder mit Bashar al-Assad“.

Die Geschwindigkeit, mit der die Aufständischen Stellungen der Armee überrannten, hat für Erstaunen gesorgt. Mit dem Zusammenbruch endet ein halbes Jahrhundert der eisernen Herrschaft der Familie Assad und markiert einen Wendepunkt im Nahen Osten. Nun wird eine neue Welle der Instabilität in der Region befürchtet. International isoliert konnte Assad auf die Unterstützung Russlands, des Iran und der libanesischen Hisbollah zählen. Diese waren zuletzt aber mit eigenen Problemen beschäftigt: Russland mit dem Krieg in der Ukraine und der Iran mit den Konflikten im Nahen Osten.

Die Türkei ist in Syrien aktiv, weil sie eine Etablierung kurdischer Kräfte verhindern will, die sie als Terroristen betrachtet. Auch die USA unterstützen einzelne Gruppierungen. Rund 900 US-Soldaten sind vor allem im Nordosten Syriens stationiert, wo sie eine von syrischen Kurden geführte Allianz gegen ein Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) unterstützen. Das US-Präsidialamt erklärte, US-Präsident Joe Biden und sein Team beobachteten die Ereignisse in Syrien genau und stünden in Kontakt mit regionalen Partnern.

Kurden sehen Chance für Neuanfang

Die Kurdenmilizen in Syrien sehen nach der Flucht Assads die Chance für einen politischen Neuanfang. „Diese Veränderung bietet eine Gelegenheit, ein neues Syrien aufzubauen auf der Grundlage von Demokratie und Gerechtigkeit“, erklärte der Kommandant der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mazloum Abdi. Damit könnten „Rechte für alle Syrer garantiert“ werden. „In Syrien erleben wir historische Momente, während wir den Sturz des autoritären Regimes in Damaskus erleben“, teilte Abdi mit.

Die SDF, die von Kurdenmilizen angeführt werden, kontrollierten zuletzt Gebiete im Nordosten Syriens, die etwa 30 Prozent des Landes ausmachten. Sie sind die stärkste bewaffnete Gruppe in den autonomen Kurdengebieten. Die SDF waren auch ein wichtiger Partner der US-Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

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