Rewe-Chef Haraszti: Ärger über “Politshows” und andere Zwischenrufe

0
50

Der Lebensmitteleinzelhandel ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber im Land, die Branche beschäftigt aktuell auch Politik und Behörden. Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) untersucht den Lebensmittelsektor seit Oktober 2022. Unter anderem hat die Behörde 1.500 Lieferanten der Supermarkt- und Diskontketten zu den Machtverhältnissen in der Branche befragt. Ein Vorgehen, das Rewe-Chef Marcel Haraszti laut eigenen Angaben freut. „Wir hoffen, dass dadurch die Diskussion versachlicht und entpolitisiert wird“, sagt der Chef der Handelsgruppe, zu der Billa, Billa-Plus, Bipa, Adeg und Penny gehören.

Er hat sichtlich genug davon, als Preistreiber am medialen Pranger zu stehen. Selbst beim – von Sozialminister Johannes Rauch eilig einberufenen – Lebensmittelgipfel seien sich alle Wirtschaftsforscher einig gewesen, dass die Lebensmittelinflation in Österreich unter dem EU-Durchschnitt liege, betont Haraszti im Klub der Wirtschaftspublizisten: „Alle vier Wirtschaftsforscher haben gesagt, dass der Lebensmittelhandel die Inflation gedämpft hat, im Gegensatz zu den Maßnahmen der Politik.“ Und der Chef von 91.000 Rewe-Mitarbeitern legt noch nach: „Während die Politik wahre Show-Gipfel veranstaltet hat, haben wir hart gearbeitet.“

Aktuell verhandle Billa mit vielen Lieferanten die Einkaufspreise nach, weil sich die Kostensituation vielerorts wieder entspannt habe. Haraszti: „Ich gehe davon aus, dass die Regalpreise in den kommenden Monaten sinken werden.“

„Während die Politik wahre Show-Gipfel veranstaltet hat, haben wir hart gearbeitet.“

Marcel Haraszti, Rewe-Vorstand

Die Auswertung der Kassenbons zeigt jedenfalls, dass viele Konsumenten aufs Geld schauen und zu Eigenmarken und Aktionen greifen. Rewe hat etwa mit einer Ausweitung der Diskontmarke Clever (um 12 Prozent auf 730 Artikel) reagiert und die relativ preisgünstige Bio-Marke Billa-Bio ausgebaut.

Währenddessen fordert die SPÖ, dass Lebensmittelhändler auch mehr krumm gewachsenes Obst und Gemüse ins Regal schlichten – und so einen Beitrag gegen die Lebensmittelverschwendung leisten. Der Rewe-Chef, der seit Jahren unter der Marke „Wunderlinge“ krumm gewachsenes im Sortiment hat, bremst die Erwartungen: „Nur weil wir diese Produkte ins Regal legen, heißt das noch nicht, dass sie auch gekauft werden.“

Was noch fehlt, ist das Konzept

Parallel dazu kommt seitens der SPÖ einmal mehr der Ruf nach einem Vernichtungsverbot von Lebensmitteln. Der Rewe-Chef nimmt das zur Kenntnis. Seine Gruppe würde gerne mehr Lebensmittel spenden, scheitere in der Praxis aber an den Vorschriften. Er sei gespannt auf ein zukunftsweisendes Konzept der SPÖ, das regelt, wie die Lebensmittelweitergabe künftig unbürokratischer möglich sein werde.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein