505 Tage lang ist der österreichisch-israelische Staatsbürger Tal Shoham im Gazastreifen Gefangener der Terrororganisation Hamas gewesen.
Im weit verzweigten Tunnelsystem unter Gaza erlebte der 39-Jährige Folter, Schikanen und Entbehrungen, erzählte er im APA-Interview in Wien. Bei seinem ersten Österreich-Besuch trifft der Nachkomme einer Holocaust-Überlebenden am Donnerstag Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS).
Wie das Bundeskanzleramt mitteilte, ist Shoham am Vormittag mit seiner Frau Adi und ihren beiden Kindern (Tochter Yahel, 4 und Sohn Naveh, 9) bei Stocker zu Besuch, unmittelbar davor auch im Außenamt bei Meinl-Reisinger. Danach ist ein Mittagessen mit Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) und Holocaust-Überlebenden geplant. Am Freitag hält Shoham eine Rede bei der UNO in Wien.
Großmutter in Wien geboren
Shohams Großmutter wurde in Wien geboren und floh in den 1930er-Jahren vor den Nationalsozialisten. Die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt der 39-Jährige erst vor wenigen Jahren. Shoham war zuvor noch nie in Österreich. Zu einer geplanten Reise mit seinen Eltern kam es durch den Hamas-Angriff am 7. Oktober 2023 nicht. An diesem Tag wurde er mit seiner Frau, ihren beiden Kindern und weiteren weiblichen Angehörigen in den Gazastreifen entführt. Von zwölf Familienmitgliedern im Kibbuz Be’eri wurden drei ermordet.
Die Frauen und Kinder kamen im November 2023 als Teil eines damaligen Abkommens zwischen Israel und der Hamas frei. Bis zu seiner Freilassung wurde Shoham über ihr Schicksal im Unklaren gelassen. Dank ihnen habe er die Kraft gehabt, so lange zu überleben, sagte er der APA. „Es ist eine Routine: Essen, bei Kräften bleiben und dann ausruhen und schlafen. So lange, bis uns irgendwer da rausholt.“
Shoham erst nach 16 Monaten freigelassen
Shoham selbst wurde erst 16 Monate nach seiner Entführung, am 22. Februar, im Rahmen eines Waffenruhe- und Geiselabkommens zwischen Israel und der Hamas freigelassen. Die österreichische Regierung hatte sich zuvor auf allen diplomatischen Ebenen intensiv für seine Freilassung eingesetzt. Wenige Tage später lief die Waffenruhe aus. Israelischen Informationen zufolge befinden sich immer noch 24 Geiseln im Gazastreifen, hinzu kommen die Leichen von 35 Verschleppten.