Im türkischen Teil der geteilten zypriotischen Hauptstadt Nikosia ist es erneut zu Protestaktionen gegen die im März erfolgte Aufhebung des Kopftuchverbots an Gymnasien gekommen.
Mehr als hundert Gewerkschaften riefen für Freitag zu einem Generalstreik auf, um gegen die neue Regelung zu protestieren. Am frühen Abend waren Demonstrationen geplant. Gegner der Aufhebung des Kopftuchverbotes sehen in dem Schritt einen Angriff auf säkulare Traditionen.
Reform vom Ministerrat
Im März hatte der Ministerrat der selbst ernannten, lediglich von der Türkei anerkannten Türkischen Republik Nordzypern die Schulordnung reformiert und das Tragen von Kopftüchern an Gymnasien erlaubt. Die Schulen können dabei selbst entscheiden, ob sie die neue Regelung einführen oder nicht. Den Vorgaben zufolge muss das Kopftuch, wenn es getragen wird, schlicht und einfarbig sein und zur Schuluniform passen.
„In diesem Land gibt es Menschen mit religiösen Überzeugungen und solche ohne. Es gibt Menschen, die in die Moschee gehen, und solche, die das nicht tun. Das ist eine individuelle Entscheidung“, verteidigte der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Ersin Tatar, den Schritt in einer Fernsehsendung.
Opposition wirft Regierung Politisierung der Bildung vor
Oppositionsparteien, Pädagogen und Gewerkschaften kritisieren den Schritt und warfen der Regierung vor, das Bildungssystem zu politisieren und säkulare Werte zu untergraben.
Bereits im vergangenen Monat waren mehr als 10.000 Menschen in Nikosia gegen die Aufhebung des Kopftuchverbotes auf die Straße gegangen.


