Österreichs Fußball-Nationalteam will am Dienstag (20.45 Uhr/live ORF 1) im Ernst Happel Stadion gegen die Türkei nachlegen. Die ersten beiden Länderspiele im Jahr einer Turnierteilnahme hat die ÖFB-Auswahl zuletzt vor der WM 1982 gewonnen.
Teamchef Ralf Rangnick hofft gegenüber dem 2:0 am Samstag in der Slowakei, als man vor der Pause nicht überzeugte, auf eine Leistungssteigerung. „Wir wollen sehen, dass wir wieder einen Schritt nach vorne machen“, erklärte der Deutsche.
„Wollen uns weiterentwickeln“
Es ist der drittletzte Test vor dem EM-Auftakt gegen Frankreich. Im Juni folgen noch ein Heimspiel gegen Serbien (4. Juni) und die Generalprobe in der Schweiz (8. Juni). „Wir wollen uns mit jedem Spiel nochmal Schritt für Schritt in bestimmten Bereichen weiterentwickeln“, sagte Rangnick. Mit der Türkei treffe man auf einen Gegner, der „wie Deutschland den Anspruch hat, das Spiel mitzubestimmen und selbst kreativ zu sein“. Den EM-Gastgeber besiegte das ÖFB-Team im November in Wien mit 2:0.
Die Österreicher haben nur eines ihrer vergangenen 13 Länderspiele verloren. Zuletzt gab es vier Zu-Null-Siege in Serie. „Am Ende geht es auch darum, das Spiel für uns zu entscheiden und zu gewinnen“, gab Rangnick die Marschroute vor. Er dürfte ohne die verletzten Stars David Alaba und Marko Arnautovic auf die bestmögliche derzeit verfügbare Startformation vertrauen. Zumindest spreche nichts dagegen, betonte der 65-Jährige, der in der Slowakei noch an einigen Positionen Alternativen getestet hatte.
Großes Fragezeichen bei Sabitzer
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Falls Sabitzer ausfällt, seien Patrick Wimmer und der in der Slowakei starke Romano Schmid die ersten Alternativen, bestätigte Rangnick. Christoph Baumgartner auf den linken Flügel zu ziehen, scheint keine Option. Der Teamchef hält den seit dem Slowakei-Spiel schnellsten Länderspiel-Torschützen der Geschichte – wie dieser sich selbst – im Zentrum für am Wirkungsvollsten. „Es ist eine Aufgabe von mir als Trainer, dass ich versuche, jeden Spieler auf seine bestmögliche Position zu stellen.“
In der Kapitäns-Hierarchie ist Konrad Laimer nach Alaba, Arnautovic und Sabitzer der vierte Mann. Das Quartett bildet auch den Mannschaftsrat. Rangnick erwähnte zudem Baumgartner, Stürmer Michael Gregoritsch und Xaver Schlager sowie „perspektivisch“ Nicolas Seiwald. „Das sind alles Spieler, die Führungspersönlichkeiten sein können. Für unsere Art von Fußball ist aber wichtig, dass jeder auf dem Platz Verantwortung übernimmt. Es sind alle gefordert und gefragt, sich einzubringen und eine Rolle zu spielen.“
Einsergoalie Alexander Schlager zurück im Tor
Die Abwehr mit Stefan Posch, Kevin Danso, dem einzigen Linksfuß Maximilian Wöber und Phillipp Mwene scheint aufgrund von Ausfällen fix. Auch Einsergoalie Alexander Schlager wird gegen die Türken ins Tor zurückkehren. Die Fehler vom Slowakei-Spiel gilt es abzustellen. „Wir haben – untypisch für uns – viele leichte Abspielfehler gehabt“, sagte Rangnick. Zudem hätte man nicht immer die richtigen Situationen gefunden, um das Pressing auszulösen. „Dadurch gab es auch relativ wenig Balleroberungen von uns.“
Neuer Türkei-Coach Montella brachte Aufwind
Die Türken, seit September vom italienischen Ex-Teamstürmer Vincenzo Montella betreut, sind als spielstärker einzuschätzen als die Slowaken. „Das ist eine Mannschaft, die sehr technischen Fußball spielt – aber auch immer wieder versucht, den Gegner unter Druck zu setzen und zu Fehlern zu zwingen“, erklärte Rangnick. „Das ist etwas, das eine moderne Mannschaft auszeichnet.“
Als Schlüssel für den Aufschwung der Türkei sieht er den 2019 eingesetzten Sportdirektor Hamit Altintop, den er vor fast 20 Jahren bei Schalke 04 betreute. „Die Mannschaft ist jetzt deutlich jünger. Sie hat inzwischen eine richtig gute Mischung. Ich glaube von außen, dass das viel mit der Person Hamit Altintop zu tun hat.“ Wichtigste Person auf dem Platz ist immer noch Hakan Calhanoglu. Den Inter-Mailand-Star wollte Rangnick laut eigenen Angaben selbst einmal verpflichten, als beide noch in der deutschen Bundesliga tätig waren.
„Habe Hakan als Spielertyp immer sehr geschätzt“
Als er vor eineinhalb Wochen in Mailand war, um mit dem Club über Arnautovic und dessen Fitness zu sprechen, habe er sich auch fast eine Stunde mit Calhanoglu unterhalten, erzählte Rangnick. „Er war früher immer so ein bisschen der Zehner-Typ, der hinter den Spitzen gespielt hat.“ Mittlerweile hält sich der 30-Jährige selbst für den besten Sechser der Welt. Rangnick: „Wenn man älter wird, rückt man öfter ein bisschen zurück. Er ist ein super Typ, laufstark noch dazu. Ich habe ihn als Spielertyp immer sehr geschätzt.“
Das gilt auch für Alaba, der trotz seines Kreuzbandrisses am Sonntag zum Team gestoßen ist. Arnautovic sollte am Montagnachmittag folgen. Das verletzte Duo wird im ersten Heim-Länderspiel des Jahres im Stadion sitzen. Bis Montagmittag waren laut ÖFB-Angaben 35.000 Tickets verkauft. Die Begegnung wird damit entgegen Rangnicks Wunsch aller Voraussicht nach nicht ausverkauft sein. Mehr als 10.000 Karten sind noch zu haben.
Nur ein Sieg in sieben Duellen seit 2000
Das bisher letzte Duell war ebenfalls das zweite Testspiel eines EM-Jahres, in das die ÖFB-Auswahl hoffnungsvoll und wie am Samstag in der Slowakei (2:0) mit einem Sieg gestartet war. 2016 unter Teamchef Marcel Koller folgte nach einem 2:1 zum Jahresauftakt gegen Albanien am 29. März in Wien ein 1:2 gegen die Türken.
Aus dem aktuellen Kader von Ralf Rangnick stand damals kein Spieler auf dem Platz. David Alaba und Marko Arnautovic sind am Dienstag zwar im Stadion, fehlen bei der Neuauflage aber verletzt. Ihr Ersatzkapitän Marcel Sabitzer war vor acht Jahren wegen Zahnproblemen nicht mit von der Partie. Zlatko Junuzovic brachte Österreich in Führung. Çalhanoğlu sorgte per Freistoß für den Ausgleich, Arda Turan nach einem Fehler des damaligen ÖFB-Ersatzgoalies Ramazan Özcan für die Entscheidung.
Die Bilanz gegen die Türkei im Detail
16 Spiele: 8 Siege, 1 Remis, 7 Niederlagen
Torverhältnis: 18:22
| Die Spiele im Detail | ||||
|---|---|---|---|---|
| 30. Mai 1948 | Türkei – Österreich | 0:1 | Testspiel | Istanbul |
| 20. März 1949 | Österreich – Türkei | 1:0 | Testspiel | Wien |
| 13. November 1974 | Türkei – Österreich | 0:1 | Testspiel | Istanbul |
| 17. April 1977 | Österreich – Türkei | 1:0 | WM-Quali | Wien |
| 30. Oktober 1977 | Türkei – Österreich | 0:1 | WM-Quali | Izmir |
| 17. November 1982 | Österreich – Türkei | 4:0 | EM-Quali | Wien |
| 16. November 1983 | Türkei – Österreich | 3:1 | EM-Quali | Istanbul |
| 2. November 1988 | Österreich – Türkei | 3:2 | WM-Quali | Wien |
| 25. Oktober 1989 | Türkei – Österreich | 3:0 | WM-Quali | Istanbul |
| 10. November 2001 | Österreich – Türkei | 0:1 | WM-Play-off | Wien |
| 14. November 2001 | Türkei – Österreich | 5:0 | WM-Play-off | Istanbul |
| 19. November 2008 | Österreich – Türkei | 2:4 | Testspiel | Wien |
| 29. Mai 2011 | Türkei – Österreich | 2:0 | EM-Quali | Istanbul |
| 6. September 2011 | Österreich – Türkei | 0:0 | EM-Quali | Wien |
| 15. August 2012 | Österreich – Türkei | 2:0 | Testspiel | Wien |
| 29. März 2016 | Österreich – Türkei | 1:2 | Testspiel | Wien |


