Was das Wien-Wahl-Ergebnis jetzt für Stocker, Babler, Kickl und Co bedeutet.
Die Enttäuschung war einigen Roten anzusehen und anzuhören. Entgegen den Trends der letzten Umfragen hofften die Wiener Sozialdemokraten, dass sie näher an der von ihnen angestrebten 40 Prozentmarke liegen würden.
Daraus wurde bei der Wien-Wahl am Sonntag – zu Redaktionsschluss lag noch kein Ergebnis vor – nichts. Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig sollte zwar weit weniger Stimmen einbüßen als seine Landeshauptleute-Kollegen in Niederösterreich, Kärnten und Salzburg, aber eben eine Spur mehr als sein innigster Parteifreund Hans Peter Doskozil im Burgenland.
Rote werden über Zuwanderung debattieren
Beinbruch sollte es für die SPÖ – weder in der Stadt, noch im Bund – sein. Immerhin blieb die SPÖ in der Bundeshauptstadt klar Erste, wenn auch mit einem historisch Für SPÖ-Vorsitzenden und Vizekanzler Andreas Babler könnt es früher oder später trotzdem ungemütlich werden, da einige Rote aus den Ländern erneut die Linie der Roten bezüglich Zuwanderung/Integration thematisieren wollen.
In Wien selbst dürften die Flächenbezirke ähnlich argumentieren und wohl auch keine Koalition mit den Grünen wollen. Die Neos dürften rechnerisch aus dem Rennen sein. Ludwig könnte am Ende eine Koalition mit dem Wahlverlierer ÖVP eingehen.
Wiener FPÖ will eigene Wege gehen
Dass sich die Blauen verdreifachen würden, hatten alle Umfragen vorausgesagt. Immerhin lagen die Freiheitlichen von Dominik Nepp bei der letzten Wien-Wahl 2020 – nach Ibiza und Abspaltung von Strache – bei nur sieben Prozent. Damit haben sie freilich den größten Zugewinn in der Geschichte – aber an die über 30 Prozent von 2015 konnten die Stadt-Blauen trotzdem nicht heran.
Wichtig für Nepp – er und FPÖ-Chef Herbert Kickl sind innige Parteifreunde – war freilich über dem Nationalratswahlergebnis in Wien von Kickl zu liegen. Damit ist Nepp vorerst parteiintern gestärkt und will weiter eigene Wege gehen.
Wahlverlierer ÖVP will jetzt mitregieren
Die ÖVP hat zwar herbe Verluste – sie ist der große Wahlverlierer des Sonntags – erlitten, hat aber die Zweistelligkeit behaupten können. Für Kanzler Christian Stocker bedeutet das Ergebnis relativ wenig – außer, dass die meisten in der ÖVP davon ausgehen, dass die Wiener Schwarzen es ihm zu verdanken hätten, dass sie überhaupt bei über 10 Prozent liegen. Die Stadt-ÖVP strebt nun sehr offensiv in eine Regierung mit der SPÖ.
Grüne wollen unbedingt mit Rot
Das haben sie mit den Wiener Grünen gemeinsam, die bekanntlich aus der Bundesregierung geflogen ist und zumindest in Wien gerne wieder mitspielen will. Wiener Rote berichteten oe24, dass es „fast schon unangenehm war, wie sehr sich die Grünen uns angedient haben“. In der SPÖ wollen die innerstädtischen Bezirke lieber mit den Grünen, die anderen keinesfalls ein Comeback von Rot-Grün. Für Leonore Gewessler wäre diese Koalitionsform eine Stärkung.
Pink im Blues
Die Neos wollten in Wien unbedingt weiter mit den Roten regieren. Zumindest zu Redaktionsschluss schien sich das nicht auszugehen. Die Priorität von Beate Meinl-Reisinger liegt aber mittlerweile ohnehin im Bund. Sie ist bekanntlich Außenministerin und der frühere Wiener Bildungsstadtrat Christoph Wiederkehr nun Bildungsminister im Bund.


