Bei der Eröffnung der neuen Ausstellung „mein nitsch“ würdigte Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner am Samstag den 2022 verstorbenen Künstler Hermann Nitsch als „außergewöhnlicher Menschen und Universalgenie“.
Bis einschließlich 30. November 2025 ist derzeit die von Kunstsammler Karlheinz Essl kuratierte Ausstellung „mein nitsch“ im nitsch museum Mistelbach zu sehen. Am gestrigen Samstagabend wurde sie von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner eröffnet (ÖVP), die gleich eingangs unterstrich: „Diese Ausstellung würdigt nicht nur den Künstler Nitsch, sondern auch die enge Verbundenheit und Freundschaft von Nitsch und Karlheinz Essl.“ Eine sehr persönliche Ausstellung, für die sie Essl sehr dankbar sei, weil sie einen ganz persönlichen, neuen Blick auf Nitsch erlaube.
Mikl-Leitner erzählte von ihren Begegnungen mit dem Künstler, von denen jede „ein Erlebnis“ gewesen sei. „Er hat mich bei unseren Gesprächen immer in seinen Bann gezogen, denn er war nicht nur einer der bedeutendsten Künstler unserer Zeit, er war ein außergewöhnlicher Mensch und als Maler, Musiker und Komponist ein Universalgenie.“
Karlheinz Essls persönliche Hommage
Die Landeshauptfrau sprach zudem über die große Bedeutung von Hermann Nitsch für das Weinviertel und weit darüber hinaus: „Nitsch war ein Künstler von Weltrang, ein Botschafter Niederösterreichs in der Welt, zu Lebzeiten und weit über seinen Tod hinaus.“ Er habe dem Kulturland Niederösterreich ein unverwechselbares Profil gegeben, „und daher kommt es auch nicht von ungefähr, dass ihm hier in Mistelbach ein eigenes Museum gewidmet ist“ – das nitsch museum, das heute zu den größten monografischen Museen Österreichs zähle.
Karlheinz Essl, Kunstsammler und Kurator der Ausstellung, präsentiere in „mein nitsch“ seine persönliche Sicht auf den Künstler und Freund Hermann Nitsch, sagte er in seiner Eröffnungsrede. Dafür habe er seine umfassenden Archive und seine private Kunstsammlung geöffnet. „Diese Ausstellung ist ein Psychogramm dieses universellen Künstlers“, sagte Essl bei der Eröffnung. Er wolle ihn ganz anders darstellen, als die Welt ihn kenne und wahrnehme. Der Kurator erklärte: „Am Ende von Nitschs irdischem Dasein erlebt man in der Ausstellung einen auferstandenen Nitsch, ohne rote Farbe, aber geprägt von intensiver Farbigkeit.“ Die Ausstellung sei, so Essl, „mein Vermächtnis an diesen großartigen Künstler.“
Nitschs einziges „weißes Bild“
Am Beginn der Ausstellung findet sich auf einer schwarzen Wand das einzige „weiße Bild“, das Nitsch geschaffen hat. In zwei dahinter liegenden Videoräumen laufen Filme der 38. Malaktion aus dem Jahr 1996 im Schömer-Haus Klosterneuburg sowie von Nitschs Begräbnis im Jahr 2022. Der zentrale Teil der Ausstellung besteht aus 14 Stationen. An den Seitenwänden sind jeweils sieben rote und sieben bunte Bilder platziert, schräg gehängt und kombiniert mit Malhemd, Schrein sowie Zitaten von Nitsch und kurzen literarischen Texten von sieben Autorinnen und Autoren.
Schließlich gibt es noch einen „Raum der Stille“, in dem ein gelbes Schüttbild aus dem Auferstehungs-Zyklus 30 Minuten lang betrachtet werden kann. Ein „Experiment der Entschleunigung und Kontemplation“, so Essl, „als Antithese zur hektischen Betriebsamkeit unserer Zeit mit der Flut von Bildern und Informationen, die täglich über uns hereinbricht“.