Synchronisationssatiriker Peter Hörmanseder und Robert Stachel präsentieren am 3. April ihr neues Programm „Exit“: „Man muss eine höhere Erzählung haben, um Geschmacklosigkeiten zu rechtfertigen“
Mit ihren satirischen Synchronisationen der internationalen und heimischen Politakteure sind Maschek längst Kult. Neben ihrem wöchentlichen Auftritt in „Willkommen Österreich“ haben Peter Hörmanseder und Robert Stachel auch dank ihrer Bühnenshows seit vielen Jahren eine große Fangemeinde. Vor der Premiere ihres neuen Programms „Exit“ sprach das Duo mit der APA über das Interessante an Stocker, Doskozils Stimme, die Schere im Kopf und warum ihnen Politiker auch leid tun.
APA: Wie Maschek-tauglich ist die neue Regierung?
Peter Hörmanseder: Eine Figur, die sehr tauglich ist, ist Babler. Er ist eine meiner Lieblingsfiguren. Bei vielen anderen – das ist aber bei jeder neuen Regierung so – braucht man ein paar Monate, bis man herausfindet, wer spezielle Eigenheiten hat, wer sich wie profiliert und inszeniert. Christoph Wiederkehr ist schon ganz gut unterwegs, indem er gleich einmal – ich glaube, Minuten nach der Angelobung – in einem Kindergarten war. Er hat auch eine spannende Sprache.
Robert Stachel: Es ist immer traurig, wenn Personen, die einem schon leicht von der Hand gehen oder einem Spaß machen, verschwinden. Bei Karl Nehammer zum Beispiel ist das so. Grundsätzlich geht es schon darum, schnell eine Stimme zu finden, in die man hineinspringen kann. Wir nennen das den „Schuhlöffel“. Aber es geht uns nicht um eine akkurate Stimmenparodie, sondern welche Register man ziehen muss, um diese Figur möglichst schnell und ohne nachzudenken zu erschaffen. Bei Nehammer war es Gusenbauer mit zusammengebissenen Zähnen.
APA: Und der neue Bundeskanzler?
Stachel: Bei Stocker war es ja so, dass den niemand auf der Liste hatte. Der ist quasi über die Bande, über die gescheiterten Regierungsverhandlungen in diese Funktion gekommen, hineingestolpert in das Amt. Ich habe ihn als jemanden angelegt, der jetzt in Brüssel auftritt, aber immer noch jeden Morgen in Wiener Neustadt ins Auto steigt. Das macht ihn interessant. Aus Maschek-Sicht könnte man ja meinen, eine Regierung des Kompromisses und der Vernunft ist weniger spannend als eine der Zuspitzung und Polarisierung, aber ich glaube, dass das ein ganz schöner Figurenkosmos ist, den man uns da angelobt hat. Da werden wir noch viel Spaß haben damit.
APA: Was macht eine gelungene Parodie oder Pointe aus?
Hörmanseder: Es geht darum, dass Politiker oft was Großes von sich behaupten, man aber auf den ersten Blick sieht, dass das nicht stimmt. Wenn man das darstellen kann, bin ich zufrieden.
Stachel: Es ist figurenabhängig. Wenn man das Gefühl hat, man kann jemanden authentisch imitieren, dann will man’s auch machen. Bei Van der Bellen ist mir zum Beispiel wichtig, dass er relativ akkurat ist. Bei anderen Figuren wundern wir uns dann oft selber, dass die in echt ganz anders reden. Aber man hat vielleicht den Charakter freigelegt. Wenn man es mit der gezeichneten Karikatur vergleicht, gibt es ein großes Spektrum zwischen dem Fotorealismus von Gerhard Haderer und dem schnellen Strich von Tex Rubinowitz. Da sind wir sicher näher bei Rubinowitz, aber seine Figuren sind genauso zu erkennen.
APA: Gibt es No-Gos?
Hörmanseder: Wir versuchen, keinesfalls nach unten zu treten.
Stachel: Wenn sich politische Satire in der reinen Stilkritik erschöpft, lassen wir es lieber. Wenn man jemanden für etwas kritisiert, was nur auf die Person abzielt, aber nicht auf die Ideologie oder die Funktion, ist es falsch. Und dann gibt es Grenzfälle wie die Stimme von Doskozil. Dafür habe ich öffentlich viel Widerspruch bekommen. Aber wie soll ich ihn sonst sprechen? Er hat eine Krankheit, was mir leid tut. Aber ich kann ja nicht so tun, als hätte er sie nicht. Man kann sich aber bemühen, es nicht so in den Vordergrund zu stellen, dass das allein die Pointe ist. So ist es auch bei jeder Art von Shaming. Man muss es nicht generell unterlassen, aber man muss eine höhere Erzählung haben, um Geschmacklosigkeiten zu rechtfertigen.
APA: Sie synchronisieren Bewegtbilder. Auf wie viele Stunden TV-Zeit kommen Sie beruflich pro Woche?
Hörmanseder: Man muss gar nicht so viel fernschauen. Wir haben Zugriff auf das ORF-Archiv, wo man sehr zielgenau suchen kann, was man braucht. Aber auf Youtube schaue ich mir wahnsinnig viel an, weil alle möglichen Institutionen, Parteien und Politiker sich permanent selbst präsentieren. In diesen Bildern liegt für uns der beste Mitspieler: die Lächerlichkeit, das Bizarre, die Hinter-der-Tür-Momente.
APA: Sie beschäftigen sich seit fast 30 Jahren humoristisch mit politischer Inszenierung. Welche Entwicklungen stellen Sie fest?
Stachel: Im neuen Programm haben wir relativ viel Archivmaterial drin – etwa eine Strecke mit allen Bundespräsidenten seit Kirchschläger. Man sieht an der Anmutung der Bilder die Autorität, die ein Politiker damals dargestellt hat, obwohl es ja teilweise auch blasse Figuren in grauen Mänteln waren. Aber trotzdem: Das Amt hat eine irre Aufladung an Unnahbarkeit und vermeintlicher Würde mit sich gebracht. Die Art und Weise, wie man sich in der Öffentlichkeit darstellt, hat sich auch in Österreich geändert. Auch wenn das oft unbeholfen ist, ist es viel lockerer geworden.
Hörmanseder: Anders als früher ist heute jeder ein Sender. Ein August Wöginger zum Beispiel hat sein Handy und sein Instagram und kann das Banalste raushauen, was früher niemand gesendet hätte. Es wird immer banaler mit gleichzeitig immer höherer Präsenz. Ministerinnen und Minister kriegst du plötzlich bei uninteressantesten Handlungen mit, die nur den Sinn haben, auf TikTok präsent zu sein.
Stachel: Ein Leopold Gratz (Wiener SPÖ-Bürgermeister 1973-84, Anm.) hätte das nicht gemacht.
Hörmanseder: Doch, hätte er auch. Aber es gab die Möglichkeit halt nicht. Da musste man langwierige Interviews geben. Wenn du Zugriff auf den ORF hattest, konntest du vielleicht Spezialberichterstattung bekommen. Heute gibt es viel weniger Filter, weniger Redaktionen, die entscheiden, ob das überhaupt für irgendwen relevant ist.
Stachel: Ich glaube, man kann sich als Politiker diesem Zwang zur Selbstdarstellung nur mehr bedingt entziehen, weil man sonst in die Bedeutungslosigkeit fällt. Sie können einem also auch leid tun.
APA: Im neuen Programm „Exit – Ausgang ungewiss“ geht es laut Ankündigung um Postdemokratie, Umweltzerstörung, KI und Turbokapitalismus. Wollen die Leute diese Themen überhaupt noch hören – auch wenn es lustig ist?
Hörmanseder: Es ist eine unserer wichtigsten Funktionen, dass wir den Leuten Dinge erzählen, die sie belasten, bei uns aber eine lustige Wendung finden. „Exit“ ist auch ein Angebot, aus der Beklemmung und Sorge ein bisschen rauszugehen. Inhaltlich geht es um Alles und Nichts, eher um eine Grundstimmung. Vor zwei Jahren stand Umwelt ganz oben, jetzt sind das Trump, Krieg und KI. Am Ende steht ein Spiegel der Gegenwart, wobei es auch von uns keine Lösung gibt. Im Untertitel steht ja „Ausgang ungewiss“.
APA: Wie entsteht eigentlich so ein Programm? Gibt es eine Storyline, zu der Sie dann die passenden Bilder suchen?
Stachel: Es gibt Mini-Storys. Peter macht fast immer den ersten Schritt und kommt mit Grundideen für Clips zu mir. Den Rest machen wir gemeinsam: Dialoge, Pointenfindung, wohin läuft die Geschichte. Diese Mikrogeschichten schauen wir uns dann immer wieder an, bis wir einen roten Faden finden oder eher ein Grundthema. Jetzt ist es diese irre Unsicherheit, die sich in Trump personalisiert. Wir haben eine Verschraubung und Verirrung der politischen Ideologien, die sich mit Corona so verstärkt hat, dass man nicht mehr weiß, wer ist ein Linker, wer ein Rechter, wer der Gute oder der Böse. Dann haben wir die große technologische Revolution mit KI und Robotik. Dazu kommt der mediale Umbruch. Viele junge Leute, die jetzt auch schon wählen dürfen, sind ohne „Zeit im Bild“ aufgewachsen, ohne die eine veröffentlichte Sichtweise der Welt. Man kann sich zusammenklamüsern, was man für die Welt hält. Aus diesem Block an Themen machen wir mit unserer Brille einen Abend.
APA: Neben den diversen Shows ist Maschek allwöchentlich auf „Willkommen Österreich“ präsent. Führt dieser permanente Lieferdruck auch zu kreativen Ermüdungserscheinungen?
Hörmanseder: Es ist viel mehr als früher. Aber wir nehmen uns auch die Freiheit zu sagen: Nicht alles, was wir machen, muss ganz konzentriert, hochpolitisch und eine komplexe Geschichte sein. Wir produzieren auch ganz viele One-Liner, wo’s nur um einen Lacher geht. Aber es ist wahnsinnig viel zu tun. Es gibt leider auch viel zu viel Material. Ein Horror, was da alles daherkommt. (lacht)
APA: Wie sehr greift der ORF ein?
Hörmanseder: Wir haben uns erarbeitet, dass wir machen können, was wir wollen. Bei „Willkommen Österreich“ zeigen wir unseren Beitrag manchmal nur Minuten vor der Aufzeichnung. Eher zum Gegencheck, ob es lustig ist oder ob es ein rechtliches Problem geben könnte – z.B. wenn man Menschen diffamiert, die nicht im öffentlichen Leben stehen. Aber es muss niemand abnicken.
Stachel: Nachdem wir beide nach fast 30 Jahren medienrechtlich einigermaßen bewandert sind, haben wir vielleicht im positiven Sinne eine Schere im Kopf, dass wir die ganz riskanten Sachen gar nicht anbieten. Ich halte auch nichts davon, nur um der Provokation willen etwas zu sagen oder zu machen, auch wenn es vielleicht größere Reichweite bringen würde.
APA: Wie ist es, wenn Leute, die Sie parodieren, im Publikum sitzen? Hemmt einen das?
Stachel: Total.
Hörmanseder: Es passiert ja selten. Aber wenn man eine Figur so überspitzt und lächerlich macht und dann sitzt der echte Mensch im Publikum, denkt man sich schon: Man ist wirklich schiach. Aber man ist es ja nicht zum Menschen, sondern zur Figur. Da muss es einen Unterschied geben.