Das Opfer, eine Geographie-Lehrerin, bekräftigte vor Staatsanwaltschaft Wien ihre bisherigen Angaben vor Polizei. Ein tatverdächtiger 14-Jähriger wurde gegen gelindere Mittel enthaftet, vier jugendliche Beschuldigte bleiben weiter in U-Haft.

Wien. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien um eine mutmaßlich von mehreren Jugendlichen (der sogenannten Liesing-Gang) vergewaltigte und erpresste Lehrerin ist die Betroffene in der vergangenen Woche kontradiktorisch als Zeugin einvernommen worden. In der mehrstündigen Befragung durch die Anklagebehörde bestätigte bzw. bekräftigte die 29-Jährige nach APA-Informationen ihre Angaben vor der Polizei. Vier Verdächtige befinden sich weiter in Haft, ein 14-Jähriger wurde jedoch enthaftet.

Wie die Sprecherin des Landesgerichts, Christina Salzborn, Montagmittag der APA bestätigte, wurde der 14-Jährige vor wenigen Tagen gegen gelindere Mittel auf freien Fuß gesetzt. Er musste nur geloben, brav unter dem Radar zu bleiben, sprich: keinen Kontakt zu den übrigen Verdächtigen bzw. zu der Betroffenen aufzunehmen, an seiner Adresse wohnen zu bleiben, mit den Behörden zu kooperieren und seine Ausbildung fortzusetzen. Vier Beschuldigte im Alter zwischen 15 und 17 befinden sich dagegen weiter in U- bzw. Strafhaft.

Martyrium begann mit einer Affäre

Ausgangspunkt des Ganzen war eine Affäre, auf die sich die Lehrerin im Jänner 2024 mit einem ehemaligen Schüler – sie hatte diesen in Geografie unterrichtet – einließ. Der Bursch war damals 17 Jahre alt. Strafrechtlich ermittelt wird gegen die Pädagogin in diesem Zusammenhang nicht, wie Staatsanwaltschaft-Sprecherin Nina Bussek auf APA-Anfrage mitteilte: Der Sex war einvernehmlich, der Jugendliche war alt genug und auch sonst lagen keine Umstände vor, die an einen Tatbestand des Sexualstrafrechts denken ließen. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft lag auch kein Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses (§ 212 StGB) vor, da die Frau den Jugendlichen nicht mehr unterrichtete, als sie mit ihm intim wurde.

Im Mai wurde die Betroffene jedoch von Freunden bzw. Bekannten des 17-Jährigen bedrängt, die sie über Instagram kontaktierten. Bei zwei von ihnen handelte es sich um ehemalige Schüler, einer verlangte in einer Textnachricht wörtlich, die Lehrerin solle ihn „im Bett unterrichten“.

In weiterer Folge kam es zu zwei mutmaßlichen Vergewaltigungen in der Wohnung der Frau. Sie wurde ihren Angaben zufolge außerdem gezwungen, der Gruppe Drogen zu finanzieren und diese teilweise mit den Jugendlichen zu konsumieren. Auch Geld wurde der 29-Jährigen von ihrem Bankkonto abgepresst.

Unter Druck gesetzt wurde die Frau mit heimlich aufgenommenen Videos und Bildern, die sie mit den Minderjährigen zeigten. Sie befürchtete, der Schuldirektor könnte davon erfahren. Außerdem hatte sie ihren Angaben zufolge Angst vor den Burschen, von denen zwei ungeachtet ihres jugendlichen Alters bereits Hafterfahrung hatten und damit geprahlt haben sollen, schon im Gefängnis gewesen zu sein.

Ermittlungen gegen insgesamt sieben Beschuldigte

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt sieben Beschuldigte unter anderem wegen Vergewaltigung, Nötigung, Einbruchsdiebstahl und Brandstiftung – im Jänner 2025 sollen vier Verdächtige in der Wohnung der Lehrerin Feuer gelegt haben. Der Bursch, mit dem die Lehrerin über mehrere Monate hinweg eine Affäre hatte, befindet sich übrigens nicht in Haft. Er soll weder an den Vergewaltigungen noch an der Brandstiftung beteiligt gewesen sein. Bei ihm liegen aus Sicht der Justiz derzeit keine Haftgründe vor.

Exit mobile version