Das neue Kabinett besteht aus je sechs Ministern und Ministerinnen der ÖVP und der SPÖ, die NEOS haben zwei Ministerposten bekommen. Im Folgenden die Regierungsmitglieder im Kurzporträt: 

Das Kurzporträt:

ÖVP:

Christian Stocker: Mit dem 64-Jährigen aus dem schwarzen Arbeitnehmerbund ÖAAB steht nun einer an der Spitze der Bundesregierung, mit dem vor wenigen Monaten noch niemand gerechnet hätte. Seit 2022 schmerzbefreiter Generalsekretär der Volkspartei, übernahm er diese nach dem Scheitern der ersten schwarz-rot-pinken Regierungsverhandlungen Anfang Jänner. Die von ihm geführten Verhandlungen mit der FPÖ scheiterten, nun behält die ÖVP nach doch noch erfolgreichen Verhandlungen mit SPÖ und NEOS das Kanzleramt. Ab 2019 saß der Niederösterreicher – wie auch schon sein Vater – im Nationalrat. Das Amt des Vizebürgermeisters in Wiener Neustadt, das er seit 2000 inne hat, legte er nach den Gemeinderatswahlen Ende Jänner zurück.

Gerhard Karner: Nicht umgeräumt werden muss im Innenministerium. Gerhard Karner (57), der Karl Nehammer dort beerbte, als dieser ins Kanzleramt aufstieg, bleibt in der Herrengasse. Fremd war ihm diese schon als er dort 2021 einzog nicht, leitete der gebürtige Melker doch bereits vor über 20 Jahren dort die Presseagenden von Ernst Strasser. In der Zwischenzeit machte der ÖAABler in Niederösterreich Karriere: von 2003 bis 2015 Geschäftsführer der ÖVPNÖ, ab 2003 Landtagsabgeordneter, von 2015 bis zur Angelobung als Minister Zweiter Landtagspräsident und Bürgermeister von Texingtal.

Klaudia Tanner: Nicht nur die bisherige Regierungstätigkeit verbindet Tanner und Karner: Auch sie kommt auch Niederösterreich und auch sie diente schon im Kabinett Strassers. Die 54-jährige leutselige Bauernbündlerin galt schon 2017 als Anwärterin für den Job, der dann doch der FPÖ zufiel. Als Sebastian Kurz zwei Jahre später mit den Grünen eine Regierung einging, fiel die Wahl dann auf die Schwägerin seines Beraters Stefan Steiner. Zuvor saß sie für rund ein Jahr im niederösterreichischen Landtag, befasste sich dort aber mit Themen wie Kultur, Verfassung und Gesundheit.

Norbert Totschnig: Vom Bauernbund ins Ministerium, diesen Schritt ging 2022 auch Totschnig. Der Osttiroler wurde von Karl Nehammer zum Minister gemacht, nachdem Kurz-Vertraute Elisabeth Köstinger die Politik verließ. Seit 2017 war der 50-Jährige Direktor des in der ÖVP gewichtigen Bundes. Politische Erfahrung sammelte er auch schon in den Kabinetten Michael Spindelegger und Reinhold Mitterlehner.

Claudia Plakolm: Einen karrieretechnischen Sprung von der Staatssekretärin zur Kanzleramtsministerin macht die 30-jährige Mühlviertlerin. Das politische Handwerk lernte die Oberösterreicherin schon früh, bei der ÖVP-nahen Union Höherer Schüler sowie der Jungen ÖVP. 2012/13 war sie Landesschulsprecherin für den AHS-Bereich. Die Bürgermeister-Tochter saß in ihrer Heimatgemeinde Walding auch selbst im Gemeinderat und ab 2017 im Nationalrat, legte diese Funktionen aber zurück, als sie 2021 Staatssekretärin im Kanzleramt wurde. Anfangs nur für Jugend zuständig, wuchs ihr Portfolio während ihrer Amtszeit um Zivildienst und Digitalisierung. Nun wird die Chefin der Jungen ÖVP und ÖAABlerin in einem im Kanzleramt angesiedelten Ministerium neben Jugend für Familie, Integration und EU zuständig sein.

Wolfgang Hattmannsdorfer: Einen weiteren Karrieresprung macht der ehemalige oberösterreichische Landesrat. Erst vor wenigen Monaten wechselte der 45-Jährige, der aus dem ÖAAB stammt, aber auch Wirtschaftsbund-Mitglied ist, nach Wien und wurde zum Generalsekretär der Wirtschaftskammer. Erfahrung in der Privatwirtschaft hat er freilich kaum. Nun wird Hattmannsdorfer, der als recht situationselastisch und auch als Verbinder zur FPÖ gilt, also Wirtschaftsminister in einer schwarz-rot-pinken Koalition.


SPÖ:

Andreas Babler: Die von internen Querelen geplagte Partei zu einen, gelang dem 52-Jährigen zwar nicht ganz, dafür führte er die Sozialdemokratie erstmals seit 2017 wieder in eine Bundesregierung. In dieser wird er naturgemäß als Vizekanzler dienen, zudem soll Babler die Agenden Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport über haben. Gerade ersteres machte er im Wahlkampf zum Herzensthema. In eine Arbeiterfamilie hineingeboren wuchs er in finanziell schwierigen Verhältnissen auf, verdingte sich als Lagerarbeiter sowie als Zeitsoldat. Nebenbei war Babler politisch aktiv, in der Sozialistischen Jugend brachte er es bis zum Bundessekretär. Nationale Bekanntheit erlangte er als Bürgermeister des für sein Erstaufnahmezentrum bekannten Traiskirchens. Eine Zeit lang war er Mitglied des Bundesrates, 2023 gewann er die kuriose Kampfabstimmung um die Nachfolge von Pamela Rendi-Wagner als SPÖ-Chef.

Markus Marterbauer: Der neue Finanzminister und Wunschkandidat Bablers dürfte in der Dreierkoalition wohl den Gegenpol zu den Wirtschaftsparteien ÖVP und NEOS darstellen. Der 60-Jährige war schon in den letzten Jahren lauter Vertreter linker Wirtschaftspolitik und eines starken Sozialstaats, und damit auch scharfer Kritiker des Neoliberalismus. Die nötige Expertise kann man Marterbauer dabei kaum absprechen, war er doch beruflich an der Wirtschaftsuniversität Wien, dem Wifo und der Arbeiterkammer tätig. Dazu dient er als Vizechef des Fiskalrats. Im Rennen um den Posten des Finanzminister nicht geschadet haben dürfte Marterbauer auch, dass er sich schon im Nationalratswahlkampf im Personenkommitee für Babler engagiert hat.

Peter Hanke: Der von der starken Wiener SPÖ in die Regierung entsandte 60-Jährige hätte eigentlich Finanzminister werden sollen. Zumindest wenn es nach Bürgermeister Michael Ludwig geht. Nachdem Babler für das vielleicht wichtigste Ressort seinen Wunschkandidaten durchsetzte, wird Hanke nun die Infrastruktur-Agenden überhaben. Hanke kann zwar auf keine klassische Parteikarriere verweisen, gilt aber als gut in der SPÖ verankert. Von 2002 bis 2018 war er Geschäftsführer der Wien Holding, bis ihn Ludwig in die Stadtregierung holte und dort mit den Finanz- und Wirtschaftsagenden betraute.

Korinna Schumann: Das Sozialministerium kehrt zum Gewerkschaftsbund zurück. Mit der 58-Jährigen übernimmt allerdings keines der Schwergewichte der Teilgewerkschaften. Die Frauenvorsitzende des ÖGB und SPÖ-Fraktionsvorsitzende im Bundesrat kennt das Sozialministerium dafür wie ihre Westentasche. Schon 1989 dockte sie dort an, nicht weniger als 14 Jahre fungierte sie als Vorsitzende des Dienststellenausschusses im Ministerium. Die Position verließ sie erst nach ihrer Wahl zur ÖGB-Bundesfrauenvorsitzenden und Vizepräsidentin des Gewerkschaftsbunds 2018. Ab demselben Jahr war sie auch im Bundesrat vertreten, als dessen Präsidentin die Wienerin im zweiten Halbjahr 2022 fungierte.

Anna Sporrer: Mit der 62-Jährigen zieht eine Karriere-Juristin mit Politikerfahrung ins Justizministerium ein. Derzeit dient die geborene Mödlingerin als Vizepräsidentin des Verwaltungsgerichtshofs. Von 1996 mit Unterbrechungen bis Ende 2013 war sie im Verfassungsdienst im Bundeskanzleramt tätig, daneben war sie unter anderem Vorsitzende der Gleichbehandlungskommission, Mitglied im Menschenrechtsbeirat und der Bioethikkommission. Sie diente schon in den 1990er-Jahren im Kabinett der damaligen Frauenministerin Helga Konrad. Ab 2010 war sie für ein paar Monate Kabinettschefin von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.

Eva-Maria Holzleitner: Neben Claudia Plakolm die einzige Unter-50-Jährige der Großparteien. Mit Plakolm verbinden sie aber nicht nur das Alter und die oberösterreichischen Wurzeln, sondern auch die dafür langjährige Berufserfahrung. Seit 2017 sitzt die geborene Welserin im Nationalrat, seit 2021 ist sie SPÖ-Frauenchefin. Trotz eines Bauern zum Vater trat Holzleitner bereits in jungen Jahren der sozialdemokratischen Partei bei, und durchlief mit Junger Generation und der SPÖ-nahen Aktion Kritischer Schüler*innen auch mehrere Vorfeldorganisationen.


NEOS:

Beate Meinl-Reisinger: Dafür, dass sie vor knapp zwei Monaten als Erste vom Verhandlungstisch aufgestanden war, und die schwarz-rot-pinken Gespräche platzen ließ, wird die 46-Jährige nun mit dem Außenamt belohnt. In der ersten Dreierkoalition will sie das tun, was sie als einzige Frau unter den Parteichefs seit Pamela Rendi-Wagners Rücktritt gewohnt ist: Ihrem Gegenüber “in den Hintern treten”. Erstmals in bundesweiter Verantwortung, werden die Pinken auch die Stimme der unbeliebten Botschaft sein, kündigte Meinl-Reisinger an. Sie selbst übernahm die 2012 gegründete Partei nach dem Rückzug von Mathias Strolz 2018. Davor saß sie für die NEOS im Nationalrat sowie im Wiener Landtag. Ihre erste politische Erfahrung sammelte sie bei der ÖVP, als Assistentin des EU-Abgeordneten Othmar Karas sowie als Kabinettsmitglied bei Familienstaatssekretärin Christine Marek.

Christoph Wiederkehr: Die NEOS dürfen endlich ihr Herzensthema verantworten. Quasi seit der Parteigründung heften sich die Pinken den Einsatz für die Bildung auf die Fahne. Nachdem der 34-Jährige 2018 Meinl-Reisinger als Landesparteichef beerbte, führte er zwei Jahre später seine Partei zum Wahlerfolg bei den Landtagswahlen und in die “Fortschrittskoalition” mit der SPÖ. Der gebürtige Salzburger wurde Vizebürgermeister und Bildungsstadtrat.

Exit mobile version