In der SPÖ tobt um die Ministerliste jetzt ein echter Machtkampf. Wie Babler Ludwig gegen sich aufbringt
Dass ein “Parteivorsitzender Vertraute in eine Regierung” setze, sei “normal”, versuchen manche Rote in Wien die Wogen in der roten Welt wieder zu glätten. In Wirklichkeit brechen aber rund um die Erstellung der SPÖ-Ministerliste alte Machtkämpfe in Rot wieder auf. Begonnen hat der neueste -offene – Konflikt um Posten bereits am Freitag. Da machte ÖGB-Boss Wolfgang Katzian SPÖ-Vorsitzendem Andreas Babler unmissverständlich klar, dass ÖGB-Vize Korinna Schumann – nachdem Josef Muchitsch erklärt habe, dass er lieber im Parlament bleibe -neue Sozialministerin werde. Das akzeptierte Babler auch umgehend. Immerhin gilt die Gewerkschaft als letzte Bastion des SPÖ-Vorsitzenden aus Traiskirchen.
Babler will Machtministerien selbst
Auch dass SPÖ-Frauenchefin Eva-Maria Holzleitner Frauenministerin werden müsse, war Babler klar. Aber: Ihren Wunsch, dass das Ministerium so wie einst unter Ex-SPÖ-Frauenministerin Doris Bures auch Medien und Kunst und Kultur enthalten solle, lehnte Babler ab. Das waren Agenden, die er selbst ins Vizekanzleramt holen wolle. Also einigten sich die irritierten Roten, dass Holzleitner dafür die Wissenschaft erhalten solle. “Der Andi will nur Medien und Kultur, um Alexander Wrabetz zu verhindern”, ätzte aber ein Roter. Der Ex-ORF-Chef gilt als Vertrauter von Wiens Michael Ludwig, der sich entweder Wrabetz oder Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke im Finanzministerium, notfalls Wrabetz als Medienminister wünschen würde. Im Finanzressort will Babler aber seine Vertraute – eine Mandatarin aus Salzburg -Michaela Schmid. Für das Infrastrukturministerium galt eigentlich NÖ-SPÖ-Chef Sven Hergovich -ein Gegenspieler von Babler -als gesetzt. Aber: Seit Montag will plötzlich Babler selbst lieber Munar Duzdar als Staatssekretärin für Medien, ursprünglich wollte er sie als Justizministerin installieren und selbst neben dem Vizekanzleramt auch das Infrastrukturministerium besetzen. Da die SPÖ noch mindestens eine Frau im Ministerteam braucht, wird auch ÖBB-Finanzfrau Silvia Angelo als Kompromiss gehandelt. Mit der Wiener SPÖ dürfte es sich Babler jetzt freilich verscherzen.